{"id":2273,"date":"2015-10-07T13:09:34","date_gmt":"2015-10-07T11:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/?p=2273"},"modified":"2016-02-24T12:58:48","modified_gmt":"2016-02-24T10:58:48","slug":"der-mikl-das-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/der-mikl-das-buch\/","title":{"rendered":"Der Mikl &#8211; Das Buch"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Der \u201eProvokateur\u201c, der \u201eschwer Fassbare\u201c, wie ihn Die Presse in ihrem Nachruf beschrieb, war eine der pr\u00e4genden Figuren der zeitgen\u00f6ssischen \u00f6sterreichischen Malerei.\u00a0 \u201eSich mit der Kunst einzulassen\u201c, sagt er, \u201egibt\u2019s nicht umsonst.\u201c\u00a0 \u201eMikl\u201c hat aus der Kunst die Kraft f\u00fcr ein ganzes Leben gezogen \u2013 und ist doch daran zugrunde gegangen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMikl\u201c ist keine Biografie, sondern ein K\u00fcnstlerroman, der sich freilich eng an den biografischen Daten Josef Mikls entlang entwickelt. Fiktion und Fakten sind darin nicht zu trennen. Der K\u00fcnstler selbst erz\u00e4hlt von seiner Kindheit im nationalsozialistischen Wien und vom Widerstand, den er zu leisten versuchte. Er erz\u00e4hlt von seinem Studium an der \u201eGraphischen\u201c und an der Akademie, von seiner Wut auf das K\u00fcnstlerhaus, das f\u00fcr ihn ein einziger Hort ehemaliger Nazis war, und der b\u00f6sen Rache, die er an deren Mitgliedern nahm. Er beschreibt seine Professoren Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl, berichtet von seinen ewigen Streitigkeiten mit Alfred Hrdlicka, von seiner Verachtung f\u00fcr Sergius Pauser, Oswald Oberhuber und Gustinus Ambrosi, und immer wieder von seinem Hass auf Journalisten im Allgemeinen und Kunstkritiker im Besonderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMikl\u201c schildert seine Zeit im Art Club und die Eifers\u00fcchteleien und Konkurrenzk\u00e4mpfe in der Gruppe St. Stephan. Er erkl\u00e4rt, warum er nur f\u00fcr so wenige K\u00fcnstlerkollegen Sympathie und Respekt aufbringt und f\u00fcr so viele nichts \u00fcbrig hat, weil er sie f\u00fcr Scharlatane h\u00e4lt. Er erz\u00e4hlt von Monsignore Otto Mauer, seinen ersten Auftr\u00e4gen, den ersten Erfolgen. Er enth\u00fcllt die Abgr\u00fcnde seines Lebens, legt schonungslos die Probleme seiner drei Ehen offen, berichtet von seiner Zeit als Akademieprofessor und am Theater am Fleischmarkt, von seiner Feindschaft mit Klaus Kinski und seiner Freundschaft mit Helmut Qualtinger. Aber vor allem erz\u00e4hlt er, was Kunst f\u00fcr ihn bedeutet \u2013 etwas, was er Zeit seines Lebens meist abgelehnt hat. Er erkl\u00e4rt, wie er zu seinen \u201eR\u00f6hren\u201c kam, die in den 1940er und 1950er Jahren, als es an der Akademie noch verboten war, abstrakt zu malen, das Publikum verst\u00f6rten. Er \u00e4u\u00dfert sich \u00fcber die Missverst\u00e4ndnisse \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Kunst, \u00fcber den Unfug, den Kritiker dar\u00fcber verbreiten, und \u00fcber die zentrale Bedeutung des Handwerklichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEin Sprichwort besagt\u201c, notiert er, \u201edas Handwerk habe goldenen Boden. Aber wo das Handwerk verschwindet, verschwindet auch dieser Boden. Wir leben\u201c, schreibt er, \u201eauf einer vergifteten Talmi-Erde. Zusammen mit der Wegwerf-Industrie mit den dazugeh\u00f6rigen Wegwerf-Direktoren und ihren Wegwerf-Geh\u00e4ltern. Auch die Kunst verliert ihren Boden\u201c, schreibt \u201eMikl\u201c, \u201ewenn das Handwerk in ihr verschwindet. Auch die Kunst ist vergiftet.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuletzt nimmt \u201eMikl\u201c offen zu seiner Krebserkrankung und seinem bevorstehenden Tod Stellung; beides Themen, \u00fcber die er im wirklichen Leben nie auch nur ein Wort verloren hat. Und immer wieder kehren seine Gedanken zur\u00fcck zur Kunst, zur Malerei, zu den Auseinandersetzungen \u00fcber Abstraktion und Gegenst\u00e4ndlichkeit, \u00fcber die weit verbreiteten Irrt\u00fcmer, die dar\u00fcber herrschen, \u00fcber den \u201eZeitgeist\u201c, f\u00fcr den er nur Verachtung \u00fcbrig hat, und die Hoffnung, dass sich in einer fernen Zukunft die Fragen, die die Gegenwart nicht beantworten konnte, kl\u00e4ren werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Josef Mikl<\/strong> wurde am 8. August 1929 in Wien geboren. Von 1948 bis 1955 studierte er Malerei an der Akademie der bildenden K\u00fcnste in Wien. 1956 gr\u00fcndete er mit Arnulf Rainer, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky die Gruppe \u201eGalerie St. Stephan\u201c, die sich unter der Leitung von Monsignore Otto Mauer zum Brennpunkt der \u00f6sterreichischen Avantgarde entwickelte. 1964 wurde Josef Mikl zur documenta III in Kassel eingeladen, vertrat 1968 \u00d6sterreich bei der Biennale in Venedig und wurde 1969 an die Akademie der bildenden K\u00fcnste in Wien berufen, wo er 27 Jahre lang eine Meisterschule bzw. den Abendakt leitete. In den 1990ern realisierte er das 400 Quadratmeter gro\u00dfe Deckengem\u00e4lde und 22 Wandbilder f\u00fcr den Redoutensaal der Wiener Hofburg. Er starb am 29. M\u00e4rz 2008.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Otto Hans Ressler<\/strong> wurde am 12.11.1948 in Knittelfeld geboren. Er war ab 1978 Direktor des Grazer Dorotheums, danach Direktor der Kunstabteilung des Wiener Dorotheums. 1993 \u2013 2011 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Auktionshaus im Kinsky GmbH. Seit 2014 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der RESSLER KUNST AUKTIONEN GMBH. Autor zahlreicher B\u00fccher, u.a. Der Markt der Kunst (2001), Die Preise der Kunst (2003), Der Wert der Kunst (2007), alle im B\u00f6hlau Verlag. Mehrere Romane, zuletzt \u201eDie Irref\u00fchrung\u201c, und \u201eZuflucht\u201c, beide erschienen 2014 in der\u00a0 Edition Va Bene.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":2274,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2273","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2273"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2871,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2273\/revisions\/2871"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}