{"id":1209,"date":"2015-01-04T23:02:58","date_gmt":"2015-01-04T21:02:58","guid":{"rendered":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/?p=1209"},"modified":"2015-02-01T20:46:05","modified_gmt":"2015-02-01T18:46:05","slug":"britta-keber-kevin-a-rausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ernst.hamberger.net\/archive\/galerieschlosspuchheim\/britta-keber-kevin-a-rausch\/","title":{"rendered":"Britta Keber | Kevin A. Rausch"},"content":{"rendered":"<p>BRITTA KEBER<\/p>\n<p>&#8222;Im Erscheinen immer st\u00e4ndig wechselnder Zeichen und sich verdichtender Strukturen, vermitteln die Bilder B.Kebers \u00a0Sinnlichkeit und Spontaneit\u00e4t&#8220;<br \/>\nDr. Gerwald Sonnberger<\/p>\n<p>KEVIN. A.\u00a0RAUSCH<\/p>\n<p>&#8222;Hinter charmant &#8211; sch\u00fcchterner Koketterie verbirgt sich ein ernstzunehmender, gerader Zugang zur Malerei und Zeichnung im Sinne einer konsequenten und jahrelang entwickelten,k\u00fcnstlerischen Vorgangsweise.&#8220;<\/p>\n<p>18.November\u00a0\u00a0 &#8211;\u00a0 11. Dezember 2011<\/p>\n<p>Ausstellungser\u00f6ffnung:<strong>\u00a0Freitag, 18. November 20111 , 19:30\u00a0<\/strong><br \/>\nEs spricht: Frau Mag.a Maria Christine Holter,Kunsthistorikerin, WienBegr\u00fc\u00dfung und Er\u00f6ffnung durch\u00a0B\u00fcrgergmeister Peter Groiss<\/p>\n<p><strong> BRITTA KEBER und KEVIN A. RAUSCH\u00a0 \u2013\u00a0 <em>SPELLS<br \/>\n<\/em><\/strong> Er\u00f6ffnungsrede in der Galerie Schloss Puchheim am 18. November 2011<\/p>\n<p>Guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren!<br \/>\nUnter dem Titel <em>SPELLS<\/em> ist heute die Pr\u00e4sentation zweier Kunstschaffender zu sehen, die einer jungen, sehr dynamischen K\u00fcnstlergeneration angeh\u00f6ren, n\u00e4mlich die Gem\u00e4lde, Plastiken und Grafiken von Britta Keber und Kevin Aldo Rausch. Rausch wird Ihnen vielleicht noch von seiner fulminanten Ausstellung in Schloss Puchheim vor 3 Jahren unter dem Titel \u201ePenthouse Asylanten\u201c bekannt sein, m\u00f6glicherweise auch durch seine Teilnahme an der \u201eJungen Kunst\u201c in Linz und seine erfolgreiche Ausstellungst\u00e4tigkeit im Salzburger Hangar 7 bzw. mit seiner Wiener Galerie Gerersdorfer.Es hat sich also in den vergangenen 3 Jahren sehr viel Positives bei dem 1980 in Wolfsberg in K\u00e4rnten geborenen und in Wien lebenden K\u00fcnstler getan.Britta Keber, ebenfalls geb\u00fcrtige K\u00e4rntnerin, ist Absolventin der Universit\u00e4t f\u00fcr angewandte Kunst, wo sie anfangs noch bei Maria Lassnig, dann bei Christian Ludwig Attersee studierte, mit Auszeichnung abschloss und seither erfolgreich im In- und Ausland k\u00fcnstlerisch agiert.Sie ist eine sehr vielseitige Pers\u00f6nlichkeit, bei der auch eine Karriere als Musikerin denkbar gewesen w\u00e4re: In ihrer Arbeit als Bildende K\u00fcnstlerin verbindet sie beiden Begabungen, indem sie gemeinsam mit Klaus Paier, dem bekannten Akkordionisten, mehrere wundersch\u00f6ne CD Editionen gestaltete. Paier solo oder mit seinem Trio steuerte die musikalischen Kompositionen bei, Keber die Grafik der CD H\u00fcllen, bzw. im Falle der j\u00fcngsten CD \u201e<em>DRAGONFLY<\/em>\u201c eine eigene f\u00fcnfteilige, auf 50 St\u00fcck limitierte Siebdruckedition, die Sie heute hier sehen und erwerben k\u00f6nnen.Keber und Rausch verbindet eine seit ihrem ersten Zusammentreffen bei einer K\u00e4rntner Gruppenausstellung andauernde Freundschaft, die mit regem k\u00fcnstlerischen Austausch einhergeht. Interessant dabei ist, dass sie einander vermutlich auffielen, weil sie offensichtliche \u00dcbereinstimmungen in ihrer Malweise und Farbauffassung feststellten. Thematisch und formal, werden wir sehen, gibt es jedoch spannende Unterschiede, die auch im unterschiedlichen Temperament der beiden K\u00fcnstler begr\u00fcndet sein mag.Der Titel <em>SPELLS<\/em>\u00a0 f\u00fcr die gemeinsame aktuelle Ausstellung stammt von Britta Keber. <em> Spell(s)<\/em> ist ein sehr vieldeutiges englisches Vokabel und meint sowohl Zauber, Bann, aber auch eine bestimmte Wetterphase. Ich finde die Titelwahl sehr gelungen, weil damit zwei Hauptaspekte der heute ausgestellten Werke Kebers und Rauschs angesprochen werden:Bei Keber bezieht sich <em> spells<\/em> sehr deutlich auf das Wettergeschehen, genau genommen auf den maritimen Wetterbericht, der in englischer Sprache f\u00fcr Seeleute und Amateurseefahrer erstellt wird<em>. In the next 24 hours spells of rain are possible&#8230; A spell of thunderstorms, a longer spell of quiet weather<\/em> &#8211; diese Begriffe sind Keber schon seit ihrer Kindheit vertraut, verbringt sie doch seit je jeden Sommer auf dem Familiensegelboot vor der Insel Krk. F\u00fcr die Segelturns, aber auch aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden besorgt sie sich seit einigen Jahren die aktuellen Wetterkarten und l\u00e4sst sie in ihre Malerei und Grafik einflie\u00dfen.Rauschs Arbeiten haben mit dem meteorologischen Aspekt nichts zu tun. <em>Spells<\/em> im Sinne von Bann und Zauber trifft bei ihm viel eher den Punkt, wie wir nicht nur anhand seiner Gem\u00e4lde, sondern auch seiner Plastiken feststellen k\u00f6nnen: Seine Papiermaschee-Gestalten mit dem Titel <strong>\u201e<\/strong><em>frust bekennt gestalt<\/em>\u201c, die schon in \u00e4hnlicher Ausf\u00fchrung 2008 die Galerie bev\u00f6lkerten, haben auch heute nichts von ihrer Unheimlichkeit, ihrem dunklen Zauber eingeb\u00fc\u00dft. Sie sind ein bisschen wie ungebetene G\u00e4ste, die sich unbemerkt hereingeschlichen haben und einem die Partylaune verderben. Sie sind sehr pers\u00f6nliche Reflexe Rauschs auf globale Ph\u00e4nomene wie kriegerische Revolten, damit verbundener Migration und dem daraus resultierenden <em>culture-clash<\/em>. Rausch zog und zieht es immer wieder, wie erst k\u00fcrzlich, von Wien nach Kairo, wo er schon 2005 <em>artist in residence<\/em> war. Wer Kairo kennt, wei\u00df, dass es eine Stadt der Gegens\u00e4tze ist. Nach der Arabischen Revolution und mit dem sehr wahrscheinlichen Aufstieg der islamischen Fundamentalisten nach den kommenden Wahlen, wird sich dieser Eindruck noch verst\u00e4rken.Die Pappfiguren sind aber auch ein Seitenhieb auf den Kunstbetrieb und seinen <em> commodities<\/em>, mit denen jeder K\u00fcnstler, jeder K\u00fcnstlerin umzugehen lernen muss. Dies tut er mit einem f\u00fcr ihn sehr typischen Augenzwinkern, was den teils recht d\u00fcsteren Arbeiten einen wohltuend ironischen Touch verleiht.Es l\u00e4sst generell sich sagen, dass eine gewisse Leichtigkeit in die neuen Gem\u00e4lde von Kevin A. Rausch Einzug gehalten hat. Die Palette hat sich aufgehellt, ist vielf\u00e4ltiger geworden, die Landschaften weniger bedrohlich und die Figuren wirken darin nicht mehr ganz so verloren, wie noch vor 3 Jahren. Vielmehr scheinen die Personen auf seinen Bildern einem Zauber erlegen, der von ihrer landschaftlichen Umgebung ausgeht und von ihnen auf die Betrachterin oder den Betrachter des Bildes \u00fcberspringt. Rauschs stilistisch zwischen Retro und neuer Malerei angesiedelten Mischtechniken tragen Titel, die nicht nur etwas \u00fcber die Thematik des Bildes, sondern auch einiges von der Pers\u00f6nlichkeit des K\u00fcnstlers preisgeben, die ich als spontan, witzig, aber auch feinf\u00fchlig und durchaus tiefgr\u00fcndig charakterisieren w\u00fcrde: \u201e<em>rauschandberg<\/em>\u201c \u2013 ein vieldeutiger Hinweis auf seine Herkunft im sch\u00f6nen, gebirgigen K\u00e4rntnerland, aber auch eine Referenz an den US-amerikanischen K\u00fcnstler Robert Rauschenberg, der mit der Erfindung seiner <em>combine paintings<\/em>, Malerei und Plastik verbindenden Assemblagen, Kevin A. Rausch ein Seelenverwandter ist.Oder das Bild \u201e<em>caspar david lieblich<\/em>\u201c, ein Wortspiel mit dem Namen des ber\u00fchmten norddeutschen Malers Caspar David Friedrich, der mit seinen in die Landschaft blickenden Repoussoirfiguren im \u201e<em>Wanderer \u00fcber dem Nebelmeer<\/em>\u201c, oder in den \u201e<em>Kreidefelsen von R\u00fcgen<\/em>\u201c das Ideal der deutschen Romantik verk\u00f6rperte. Rauschs Titel birgt zudem eine geh\u00f6rige Portion Selbstironie, denn auch seine Figuren sind oft von hehrer Einsamkeit oder melancholischem Sehnen ergriffen, und auch sie sind in einem das rein Landschaftliche transzendierenden Bezugsfeld dargestellt. <em>der verweigerer<\/em>\u201c, \u201e<em>ein paradies quicker v\u00f6gel<\/em>\u201c, oder auch \u201e<em>danach ein gro\u00dfes feuerwerk<\/em>\u201c(letzteres wieder ein gedankliches Mitbringsel aus Kairo), alle tragen sie ihre Geschichten, ihre Geschichte in sich, sind narrative, aber nicht geschw\u00e4tzige Gem\u00e4lde, vielmehr von der Emotion getragene, sensitive Zeugnisse eines weltoffenen und zugleich in sich hineinblickenden K\u00fcnstlers, der genauso wie wir mit politisch, \u00f6konomisch oder \u00f6kologisch bedingten Zukunfts\u00e4ngsten zu k\u00e4mpfen hat.Im physisch-emotionalen malerischen Zugang, der an der sehr offenen, raschen Pinself\u00fchrung, aber auch an der belassenen Transparenz der vielschichtigen \u00dcbermalung visuell nachzuvollziehen ist, schlie\u00dft sich das Werk von Kevin A. Rausch wieder mit Britta Kebers zusammen. Gemeinsam ist ihnen auch die Vorliebe f\u00fcr grafische Einsprengsel, zeichnerische K\u00fcrzel in der Malerei sowie f\u00fcr kalte Farbt\u00f6ne und die Nonfarben Schwarz, Wei\u00df und Grau.\u201eDas Grau hat ja alles!\u201c, sagt Keber bei meinem Atelierbesuch. Und tats\u00e4chlich f\u00e4ngt das von Graut\u00f6nen dominierte Acrylgem\u00e4lde \u201e<em>Gedankenzimmer<\/em>\u201c vor meinen Augen in rechtem Licht nuancenreich zu leuchten und farbig zu schillern an. Auch Kebers Wei\u00df ist nicht blo\u00df eines, sondern ein mehrfaches, vielfach erprobtes und weiterentwickeltes, so wie die Inuit viele W\u00f6rter f\u00fcr Schnee haben. Wie in der Musik variiert und improvisiert Keber \u00fcber das selbstgew\u00e4hlte Thema.Ihre Sparsamkeit hinsichtlich Farbe und Form erweist sich bei genauerem Hinsehen als wahrer Reichtum: Hin und wieder blitzt in den lasierend gemalten Schichten ein kleiner farbiger Akzent auf, wie zum Beispiel ein w\u00e4ssriges Blau und pflanzliches Gr\u00fcn, oder auch Fragmente der dinglichen Wirklichkeit in Form von zeichnerischen Einsch\u00fcben mit der schwarzen Kreide \u2013 Erinnerungsfetzen an die kroatische Hafen- und Werftlandschaft, Drahtwinden, Sch\u00e4kel, Seile \u2013 die als visuelle Impulse in den Gem\u00e4lden wieder auftauchen.Eben dort treffen wir auch auf die <em> spells<\/em> \u2013 handschriftliche, rudiment\u00e4re Zitate aus den bereits erw\u00e4hnten Wetterberichten und -karten von Krk, die im Liniament der Keberschen Zeichnung nachklingen. Jede Arbeit wird so zur Bestandsaufnahme, zur Prognose \u00fcber die eigene Befindlichkeit und Tagesverfassung \u2013 wild entschlossen und kraftvoll, oder feinnervig und verletzlich, so zeigt sich uns Britta Keber in ihren Gem\u00e4lden und Grafiken. Sie macht daraus auch kein Hehl: \u201e<em>Das Papier ist mein Segel\u201c<\/em> hat sie einmal poetisch eine Serie von Collagen benannt und damit auch treffend ihr k\u00fcnstlerisches Programm formuliert.Sehr geehrte Damen und Herrn, lassen Sie sich nun bei g\u00fcnstigem Wind durch diese besonders gelungene Doppelausstellung treiben und erliegen Sie, wie ich, dem <em>spell<\/em>, dem Zauber der Werke dieser beiden hervorragenden Maler.<br \/>\n\u00a9 Maria Christine Holter, 2011<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BRITTA KEBER &#8222;Im Erscheinen immer st\u00e4ndig wechselnder Zeichen und sich verdichtender Strukturen, vermitteln die Bilder B.Kebers \u00a0Sinnlichkeit und Spontaneit\u00e4t&#8220; Dr. Gerwald Sonnberger KEVIN. 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